Universität Potsdam entlastet Althusmann

Anfang September habe ich mir die Dokumentation angesehen, auf deren Grundlage die ZEIT den niedersächsischen Bildungsminister und Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, Bernd Althusmann, des Plagiats beschuldigt hat. Mein Urteil damals lautete: „Nicht schuldig“.

Die Dissertation von Althusmann (bzw. die untersuchte Stichprobe im Umfang von zwei Kapiteln) ließ zwar nur sehr begrenzte gedankliche Eigenleistungen erkennen und sie enthielt eine Vielzahl von Stellen, bei denen der Autor sich inhaltlich kaum von der zitierten Literatur löst. Aber, so schrieb ich damals, Den Rest des Beitrags lesen »


Ein guter Tag für die Wissenschaft

Die Universität Bonn hat also entschieden: Chatzimarkakis’ Doktorgrad ist weg. Und außer dem Enttitelten selbst dürfte das auch niemanden ernsthaft überraschen.

Er hat sich viel Mühe gegeben, öffentliche Verwirrung um seinen Fall zu stiften. Das Herumwerfen mit den Namen vermeintlicher Eliteuniversitäten, seine gebetsmühlenartig wiederholte (aber deswegen trotzdem falsche) Behauptung, in seiner Dissertation gebe es „keine Stelle ohne Quelle“, seine mit bildungsbürgerlichem Angebervokabular („Tyrannis“) gespickten Vorwürfe gegen die Plagiatsdokumentare von VroniPlag, die dunklen Andeutungen in Anne Wills Talkshow, dass diese Plagiatsdokumentation „öffentlichen Druck“ auf die Universitäten erzeuge, dem diese sich dann nicht entziehen könnten, seine Koch-Mehrinschen Angriffe auf den eigenen Doktorvater, der doch seine Arbeit hätte besser machen müssen, und natürlich seine mehrfach geäußerte Hoffnung, die Universität Bonn könnte ihm tatsächlich den Doktorgrad lassen — man wusste nicht, ob das alles kalkulierte Rückzugsgefechte waren, um irgendwie mit dem Titel nicht auch das Gesicht zu verlieren, oder ob Chatzimarkakis’ Unverständnis von Integrität, Anstand und Wissenschaft tatsächlich so tiefgehend ist, dass er selbst an all das glaubt, was er da von sich gibt. Den Rest des Beitrags lesen »


In den eigenen Reihen

Der Fall Koch-Mehrin ist noch nicht ausgestanden, der Fall Chatzimarkakis geht in den nächsten Wochen in die heiße Phase, doch der bislang potenziell schwergewichtigste Fall wissenschaftlichen Betrugs steht gerade erst am Anfang: Gestern hat VroniPlag den ersten Bericht zur Dissertation von Margarita Mathiopoulos vorgelegt.

Der Bericht bestätigt zunächst nur das, was sich für Beobachter der Dokumentationsarbeit schon seit Wochen abzeichnet: Mathiopoulos hat in ihrer an der Universität Bonn eingereichten und 1987 erschienenen Dissertation „Amerika: Das Experiment des Fortschritts – Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa“ massiv plagiiert und collagiert.

Auf 130 der 218 Textseiten der Dissertation haben die Plagiatdokumentare insgesamt über 380 plagiierte Passagen gefunden, die aus 19 verschiedenen Quellen stammen.

So weit, so wohlvertraut. Von bereits überführten Plagiator/innen unterscheidet sich Mathiopoulos durch eine durchgängigere Wissenschaftlichkeit der plagiierten Werke — Zeitungstexte und studentische Hausarbeiten finden sich bei ihr nicht. Sie unterscheidet sich auch dadurch, dass sie keine aktive Politikerin ist, sondern Unternehmerin und Politikberaterin.

Vor allem aber, und das ist der erste Punkt, der diesen Fall bedenkenswerter macht als die bisherigen, ist sie aktive Wissenschaftlerin. Den Rest des Beitrags lesen »


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