Gerechtigkeit für Plagiatoren?

Jan Fleischhauer fordert in seinem Artikel auf SPIEGEL-ONLINE Gerechtigkeit für Silvana Koch-Mehrin (SKM).

  • Erinnern wir uns: Die FDP-Politikerin Esther Silvana Koch-Mehrin ist seit der Europawahl 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments und seit 2009 einer von 14 Vizepräsidenten des EU-Parlaments. Wegen nachgewiesener Plagiate in ihrer Dissertation wurde ihr am 15. Juni 2011 der Doktorgrad von der Uni Heidelberg wieder aberkannt. Ihre am 22.6. angetretene zum Vollmitgliedschaft im EU Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europaparlaments, gab sie nach Petitionen und Aufrufen von Verbänden und der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen aufgrund des öffentlichen Drucks am 25.6. wieder auf, kündigte aber an, für einen anderen EU-Ausschuß zu kandidieren. An ihrem Sitz im EU-Parlament hält sie bis heute fest.

Die Erklärung, die SKM selbst zu den Plagiatsvorwürfen abgegeben hat, läuft darauf hinaus, daß

  • (1) die wissenschaftlichen Ergebnisse ihrer Arbeit bis heute unstrittig seien und auf ihrer eigenen wissenschaftlichen Leistung beruhten. Zwar gibt sie deren Schwächen zu, ihr sei von der Uni Heidelberg der Titel in voller Kenntnis aller dieser Schwächen verliehen worden. Insofern also die Universität selbst die ihr obliegenden Sorgfaltspflichten verletzt habe, wolle sie deshalb prüfen lassen, ob ihr der Doktorgrad zu Recht aberkannt worden sei.

Obwohl die blogger-Szene schnell und geschlossen mit Empörung darauf reagiert hat, ist das Echo in den Massenmedien erstaunlicherweise nicht so homogen und der SPON-Artikel von Jan Fleischhauer ist ein Beispiel dafür.

Was ist das eigentlich für eine Gerechtigkeit für die Fleischhauer da eintritt?

Ich gestehe nur zu gern, daß ich mich in einem der Lektüre seines Spiegelartikels nachfolgenden Moment der Unbeherrschtheit gefragt habe, durch welche Formulierungen ich Fleischhauer möglichst nachhaltig erniedrigen könnte. Allerdings muß ich nach wiederholten Nachdenken zugeben, dafür letztlich kein besseres Mittel gefunden zu haben, als seine eigenen Worte – und an die werde ich mich in diesem Artikel daher ausgiebig halten, weil sie die notorischen Fehleinschätzungen, die diese Debatte von Anfang an verzerrt haben, bestens illustieren.

Der Ärger beginnt schon mit dem ersten Satz von Fleischhauers Artikel:

  • (2) “Nein, es ist nicht in Ordnung, sich bei seiner Doktorarbeit aus fremden Quellen zu bedienen, ohne diese vollständig anzugeben.“

Das mag das Phänomen sein, aber es ist überhaupt nicht das Problem an der ganzen Sache. Denn beim Zitieren geht es nicht darum – ich habe das ausführlich hier dargelegt – etwas in bestimmter Weise zu tun, nämlich wissenschaftliches Arbeiten mit Akkuratesse – sondern es geht darum, die Debatte um ein wissenschaftliches Problem strukturiert darzustellen, so daß Entwicklungslinien der Forschung erkennbar werden – ein Wissen, das andere Forscher benötigen, um ihrerseits sinnvoll arbeiten zu können.

  • (3) Die Behauptung, daß zugleich geistiges Eigentum verletzt wird, ist im Grunde falsch, denn was Wissenschaftler erfinden, gehört via Arbeitsvertrag sowieso der Universität und die Anmaßung wissenschaftlicher Leistungen ist hier das geringste Problem: Denn die nicht zitierte Quelle gibt es ja schon und ist in der Regel den Experten auch bekannt. Und zweitens hat wohl jeder Wissenschaftler schon einmal tolle Ideen gehabt, von denen er dann später mit Enttäuschung bemerkt hat, daß sie in einer entlegenen Zeitschrift schon einmal veröffentlicht wurden.

Nein, das Hauptproblem an Plagiaten liegt ganz woanders und wird von Fleischhauer in systematischer Weise übersehen:

  • (4) Zum einen liegt es in der Titelerschleichung als formale Voraussetzung für den Zugang zu gesellschaftlichen, ökonomischen oder universitären Rechten, Resourcen oder Chancen: Hier werden einfach ungerechtfertigterweise Vorteile akkumuliert mit Mitteln, die andere aus Fairnis nicht benutzen.
  • (5) Zum anderen liegt das Problem darin, daß Wissenschaftler Verantwortung für den Supertanker Wissenschaft über ihr persönliches Schicksal hinaus übernehmen – was offenbar ein wichtiger Grund unter vielen anderen ist, aus dem wir mehr als Plagiate in Doktorarbeiten verlangen. Und der Doktortitel bescheinigt unter anderem, daß der Doktorand im Laufe einer mehrjährigen, eigenständigen Forschungstätigkeit genau diese Verantwortung unter Beweis gestellt hat. Wer die typischerweise miserablen Arbeitsbedingungen von Doktoranden kennt, weiß genau, wovon ich rede.

Für Politiker gilt in deiner Demokratie dasselbe Anforderungsprofil analog. Zwar ist eine Demokratie inhaltsblind, so daß wissenschaftliche Expertise in einer Demokratie unwichtig ist, aber wer einen Volksvertreter wählt, dem ist es gerade nicht egal, ob der Kandidat nur im Schumpeter’schen Sinne an sich selbst oder auch an die Interessen der von ihm Vertretenen denkt. Und in diesem Sinne demonstriert SKM, daß sie nicht mal die einfachsten Dinge in der Wissenschaft gelernt hat oder zu befolgen gewillt ist.

Die Konsequenz ist – und das hat der Physiker und Wissenschaftsblogger Joachim Schulz in seinem post auch sehr gut herausgearbeitet – daß sich die Plagiatoren auch nicht mit Unwissenheit oder Schlampigkeit herausreden können, weil sie zum einen die Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens bereits bei ihren Studienabschlußarbeiten unter Beweis stellen mußten und zum anderen ihre vermeintliche Schlampigkeit von genau derjenigen Einstellung erzeugt wird, die wir kritisieren.

Mit anderen Worten: SKM und Fleischhauer vernebeln durch ihre Formulierungen lediglich den korrekten Blick auf das Problem. Ob sie allerdings klug genug waren, das selbst zu bemerken, ist eine andere Frage. Denn Fleischhauer schreibt:

  • (6) “Tatsächlich kommt man in Deutschland heute als Politiker eher mit gewohnheitsmäßiger Untreue als mit der unzulässigen Abkürzung beim Erwerb eines akademischen Grades durch.”

Offenbar soll diese witzig gemeinte Bemerkung den Leser zu einem mokanten Lächeln über die wissenschaftlichen Erbsenzähler reizen, die klarerweise nur um ihre Pfründe fürchten. Doch wo Fleischhauer überall nur das Eigentum als analysierende Grundmetapher am Werke sieht, geht es – wie wir gerade gesehen haben – in Wirklichkeit um ein Verhalten, daß demokratischen und sozialen Sprengstoff darstellt. Doch das erkennt Fleischhauer trotz seines Philosophiestudium in keiner Weise. Stattdessen legt er nach:

  • (7) “Koch-Mehrin hat ihr Amt als Vorsitzende der FDP in Brüssel abgegeben, den stellvertretenden Posten als Vizepräsidentin des europäischen Parlaments, den Platz im Präsidium der Freidemokraten – aber das genügt offenbar nicht. Ein paar besonders eifrige Aufpasser verlangen auch den Verzicht auf das Abgeordnetenmandat.”

Hier hat Fleischhauer ausnahmeweise einmal recht: Es genügt nicht und was Fleischhauer weiß, müssen alle wissen. Denn nicht die formale Wahl für 4 Jahre legitimiert einen Volksvertreter, sondern das aktuelle Vertrauen, das den Vertrauensvorschuß bei der Wahl nachträglich legitimiert. Als Willy Brandt als Kanzeler am 7. Mai 1974 wegen der Affaire Guillaume zurücktrat, demonstrierte er, daß er das weiß. Im Vergleich dazu wissen Fleischhauer und SKM nichts. Denn um Plagiator sein zu können, müssen wegen (4) Themen wie z.B. soziale Gerechtigkeit dem Kandidaten völlig fremd sein und diese Tatsache ist einfach ein Politikum. Denn hier geht es um eine Verteilungsvorstellung, die voraussetzt, daß man sich das Recht, mit am Tisch zu sitzen, bereits erworben hat. Doch das ist bei Plagiatoren keineswegs der Fall. Aber auch für das Politische scheint Fleischhauer jeder Sinn abzugehen.

Was von der Uni übrigbleibt

Stattdessen nötigt uns Fleischhauers Artikel im weiteren Verlauf eine etwas skurrile Darstellung politischer Zeitgeschichte auf, die obendrein noch mit Tatsachenbehauptungen operiert, von deren Falschheit man sich schon durch Wikipedia-Benutzung hätte überzeugen können. Und das geht so:

  • (8) “Große Aufregung verursachen die Plagiatsaffären naturgemäß im Wissenschaftsbetrieb. Niemand lässt sich gerne nachsagen, in einer Institution zu arbeiten, wo man es mit den Standards nicht so genau nimmt.”

Man kann nicht abstreiten, daß ein Promotionsausschuß, der Plagiate nicht erkennt, versagt hat. Studenten und Doktoranden haben im Zeitalter elektronischer Medien aufgerüstet und die Kontrolleure dürfen da nicht hinterherhinken. Insofern sind heute ganz andere Prüfungsarbeiten bei einer Diplom- oder Doktorarbeit nötig als vor 20 Jahren. Daß hingegen Desinteresse bei jeder Promotionskommission besteht, ist einfach eine polemische Behauptung, für die es nicht den mindesten Hinweis gibt. Zwar ist auch das nicht unmöglich, aber wer bei einem Spaziergang seinen Regenschirm vergißt, muß sich auch nicht nachsagen lassen, gerne naß zu sein.

Doch für Fleischhauer ist (8) nur ein Schlenker, um genügend Anlauf zu gewinnen, den klaftertiefen Abgrund in der Sache zwischen einer Sorgfaltspflichtsverletzung durch eine Promotionskommission und einem moralischen Geruch als den Gerechtigkeitsbegriff ausbuchstabierenden Grundmetapher mit der nonchalance eines griechischen Halbgotts zu überspringen.

  • (9) “Man würde die Ehrenerklärungen in eigener Sache nur zweifellos noch lieber lesen, wenn die Professoren, die jetzt so vehement die Sauberkeit der Wissenschaft verteidigen, schon früher so entschieden aufgetreten wären. Leider hat man von keinen Protestnoten ans Kanzleramt gehört, als es darum ging, der eigenen Zunft die Möglichkeit zu verschaffen, sich im Schnellverfahren im universitären Betrieb einzurichten.”

Ich muß ehrlich zugeben, daß mir die persönlichen Kränkungen, von denen sich Fleischhauer in seinem Leben hat umzingeln lassen, herzlich egal sind und ich empfinde es als Zumutung, bei einem im Zentrum des gesellschaftlichen Zusammenhalts stehenden Thema damit belästigt zu werden und ich frage mich im Ernst, ob es eine wirkungsmächtigere Möglichkeit gibt, die öffentliche Bedeutung dieser Vorfälle herunterzuspielen. Aber damit nicht genug:

  • (10) “Nicht nur, dass mittlerweile an nahezu jeder großen Universität Leute einen Professorentitel führen, deren bedeutendste Leistung oft darin besteht, in Talkshows eine gute Figur abgegeben oder mal eine Zeitung wie die „taz“ geleitet zu haben.”

Woher weiß Fleischhauer das eigentlich? Es gibt im Jahr so an die 1000 Habilitationen in Deutschland und entsprechend erbittert ist das Gerangel um eine Professur. Oft spielt da auch Glück eine Rolle, aber mediale Präsenz läßt weder die Publikationsliste wachsen, noch die Anzahl der eingeladenen Vorträge. Doch Fleischhauer begründet seine Idee sogar:

  • (11) “An die Stelle der klassischen Habilitationsschrift traten in vielen Fachbereichen „habilitationsähnliche Leistungen“, womit nun schon ein Bündel verstreut publizierter Aufsätze reichte, um als Professor an eine deutsche Universität berufen zu werden. Wer „kumulativ“ habilitiert, erspart sich nicht nur Probleme mit Fußnoten.”

Wer auch nur mal probehalber im Wissenschaftsprozeß mitgeschwommen ist, der weiß, daß Fußnoten in peer reviewed articles sehr viel strenger geprüft werden als in einer Promotion, da die Promotionskommission aus Vorträgen und eigenen Forschungen mit dem Thema und dem Forschungsgebiet des Doktoranden vertraut sein muß, so daß sie auch ohne Fußnoten die Innovation einer wissenschaftlichen Arbeit sofort erkennt. Das sollte sicher nicht so sein, läßt sich aber nicht abstreiten. Erspart wird daher durch die neuen Aufstiegsmöglichkeiten z.B. einem Habilitanten nur das Abfassen der u.U. mehrere hundert Seiten starken Habilitationsschrift – nachgedacht werden muß weiterhin. Und verstreut publizierte Aufsätze zeigen nur, daß ein Thema unter verschiedenen Aspekten beackert wurde, so daß das Ergebnis für ganz unterschiedliche Zielgruppen interessant ist. Und deshalb zeigt (11), daß Fleischhauer in seinem Studium die Organisationsprinzipen des wissenschaftlichen Publikationssystem der Fachzeitschriften nicht kennengelernt hat. Wie das möglich ist, kann ich leider nicht nachvollziehen und ich habe vollstes Verständnis für denjenigen Leser, der sich an dieser Stelle fragt, ob Fleischhauers Artikel wengistens als launiger Sonntag-Abend-Der-Tatort-Krimi-ist-leider-ausgefallen-Kommentar zum gegenwärtigen Zustand des Zeitgeistes taugt. Doch auch in dieser Hinsicht werden wir enttäuscht:

  • (12) “Die Delegitimierung der alten Ordinarienuniversität diente immer auch dem Ziel, Platz zu schaffen im Stellenplan. Wenn davon die Rede war, die alten Strukturen aufbrechen zu wollen, meinte das vor allem die formalen Hürden, die einen am Aufstieg aus den Niederungen des wissenschaftlichen Betriebs an die Spitze der Fachbereiche hinderten. Als besonders nachhaltige Reform darf in diesem Zusammenhang auch die paritätische Besetzung der Findungskommissionen gelten: Bis heute entscheiden an vielen Hochschulen die im AStA organisierten Studenten über die Besetzung von Professorenstellen mit, was den unbestreitbaren Vorteil hat, auch diejenigen auf begehrte Lebenszeitstellen zu hieven, deren wissenschaftliches Engagement sich eher politisch manifestierte.”

Das ist zunächst einmal in der Sache in mehrfacher Hinsicht falsch, so daß (12) in unmittelbarer Nachbarschaft von Weltverschwörungstheorien liegt: 2008 ist das Hochschulrahmengesetz weggefallen, so daß die Bundesländer, die auch schon voher nach Art. 72. Abs. III GG im wesentlichen ihre eigene Hochschulpolitik machen konnten, nun völlig eigenständig über ihre Universitäten verfügen. Und die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind in der Tat gewaltig. In Bayern wurden der AStA 1973 und in Baden-Würtemberg 1977 abgeschafft. In Hessen wurde der AStA 2006 per Gesetz in die Bedeutungslosigkeit geschickt, so daß sich Fleischhauers Pauschalurteile erübrigen. Zusätzlich ist in Promotionskommissionen nur einer von 5 Angehörigen ein Student, der aber vom Doktorvater ausgewählt wird, und wer bei einer Habilitationskommission dabei sein will, muß entweder selbst Professor oder Privat-Dozent sein, d.h. selbst habilitiert haben. Gesetzlich geregelte Findungskommissionen gibt es in Deutschland hingegen nur für den Hochschulrat, der meist mit Leuten besetzt ist, die nichts mit der Uni zu tun haben und in der Hochschulpolitik oder bei strategischen Entscheidungen der Uni beratend tätig sein soll. Und der Rest von (12) ist einfach Quatsch.

Als bekennender Linker möchte ich jedoch SPIEGEL ONLINE keinesfalls davon abraten, Jan Fleischhauer auch weiterhin zu beschäftigen – im Gegenteil: Als Beispiel konservativer Denkart halte ich seine Artikel für eine ausgezeichnete Werbung für nachhaltigen Alkoholkonsum und jede zum Konservatismus formulierbare politische Alternative.

Der Autor: Elmar Diederichs bloggt normaleweise auf SciLogs.de, wo er den blog MIND AT WORK betreibt.


19 Kommentare on “Gerechtigkeit für Plagiatoren?”

  1. zahnwart sagt:

    Nunja, Fleischhauer. Der sieht ja an jeder Ecke eine linksradikale Verschwörung, und wenn eine (angeblich) bürgerliche Politikerin kritisiert wird, dann kann das in Fleischhauers Welt einfach nicht an vollauf berechtigten Vorwürfen liegen, sondern ausschließlich daran, dass „die Linken“ den „Bürgerlichen“ ihre Pfründe nicht gönnen. Ernstnehmen kann ich den schon lange nicht mehr.

    Aber: eine schöne Analyse, Glückwunsch.

    • ediederichs sagt:

      „Ernstnehmen kann ich den schon lange nicht mehr.“

      Das ist eine verständliche Haltung, doch nicht jeder verfolgt die Medien so aufmerksam, wie Sie es offenbar tun.

  2. J. sagt:

    Inhaltlich fack. Keine Kritik, nur einige Tippfehler, die mir beim Lesen aufgefallen sind:
    [….]
    *dieser Kommentar zerstört sich von selbst (muß nicht veröffentlicht werden/bleiben)*

    ANTWORT: Danke für deine Korrekturen, ich habe sie eingearbeitet.

    • Guttengate sagt:

      Es gibt noch mindestens zwei Tippfehler: „Fairniß“ und „vermeindlich“.

      Dennoch sehr gelungener Artikel, der detaillierte Einblicke liefert.

      ANTWORT: DANKE. ERLEDIGT.

  3. Dirk Bluhm sagt:

    gute Munition für das Spiegelforum.

    Erinnere mich wie Fleischhauer Klaus Palmer „interviewt“ hatte und dabei die Bezahlung für das Interview Bar auf die Hand mitfilmte um den „Linken“ zu diskreditieren.

    Man muss leider immer vorsichtiger sein, wo noch echte objektive Journalisten sitzen. Für die gibt es ja auch immer weniger gut bezahlte Stellen und der Schritt von Leserinformation zu Meinungsmache wird immer kürzer. Gerade bei solchen eigentlichen klaren Themen wie oben analysiert sind das dann meist mehr Empfehlungsschreiben bekannte Positionen im öfftl. Diskurs gegen Bares eloquent zu vertreten. Gabor Steingart leitet ja mittlerweile das Handelsblatt, hoffentlich wird da bald für Hr. Fleischhauer ein Stuhl frei-rationalisiert.

    Ein Grund mehr in die unabhängige Bloggerszene auszuweichen.

  4. Dirk Bluhm sagt:

    Link hat leider nicht geklappt http://www.youtube.com/watch?v=rt65rHm8pUY
    stimmt doch ohne x?

  5. nicfourn sagt:

    Mal reflexiv formuliert: Das ganze Leben besteht aus Kombinationen und Varianten (Rekombinationen) des Bestehenden. Das könnte man u.a. auch als „Plagiat“ interpretieren. Daher könnte man fragen: Warum nicht auch Nachsicht mit denen, die „erwischt“ wurden, weil sie formal bzw. ganz offen kopiert haben?

    Defaitistische Grüße

    • astefanowitsch sagt:

      Das Wiederverwenden und Neukombinieren von bereits Gedachtem ist tatsächlich ein wichtiger Teil von Wissenschaft (wenn auch vielleicht nicht der wichtigste Teil). Aber das ist es ja auch nicht, dessen die hier Erwischten sich schuldig gemacht haben. Man darf und soll die Ideen anderer verwenden, man darf sogar deren Worte verwenden, aber man muss klar anzeigen, dass man das tut und wessen Ideen und Worte es sind. Der wissenschaftliche Prozess erfordert es, dass sich Ideen zurückverfolgen lassen, und die persönliche Integrität erfordert es, dass man nicht anderer Leute Arbeit als die eigene verkauft. Die hier Erwischten haben eben nicht offen kopiert.

      Als Merksatz: Offenes Kopieren ist in der Wissenschaft erlaubt, man nennt es dort „zitieren“. Verstecktes und verschleiertes Kopieren ist nicht erlaubt, man nennt es dort, wie auch sonst, „betrügen“.

      Sehr schön und klar hat das hier auch Dierk Haasis geschrieben.

  6. ediederichs sagt:

    „Warum nicht auch Nachsicht mit denen, die „erwischt“ wurden, weil sie formal bzw. ganz offen kopiert haben?“

    Meine Gründe stehen ganz explizit unter (4) und (5). Und im Moment denke ich auch, daß es gute Gründe sind.

    Aber wir können das gerne noch mal diskutieren.

  7. […] Unsinn kann man, muss man aber nicht lesen. Wie so ziemlich alles auf Spiegel Online. Die Replik von Elmar Diederichs ist jedoch höchst […]

  8. Ludwig Trepl sagt:

    „Man kann nicht abstreiten, daß ein Promotionsausschuß, der Plagiate nicht erkennt, versagt hat. “
    Doch, das bestreite ich. In Fächern, die weniger kompakt sind, in denen die Forschergruppen nicht sehr klein sind, bei breiten Themen, in denen die potentiell zu berücksichtigende Literatur ganze Bibliotheken füllt, werden Plagiate allenfalls zufällig erkannt. Und was die Möglichkeit angeht, sie mittels des Internets systematisch zu suchen: Wenn das zu den Aufgaben eines Promotionsausschußmitglieds gehörte, wäre ich nie eines geworden. Ich bin Wissenschaftler, nicht Polizist.
    Mir genügt es völlig, daß der Kandidat schriftlich erklärt, die Arbeit selbstständig angefertigt zu haben usw. Außerhalb der Universität begnügt man sich damit ja in der Regel auch.

    • astefanowitsch sagt:

      Natürlich dürfte es nicht Aufgabe der Mitglieder des Promotionsausschusses sein, die Überprüfung vorzunehmen. Es wäre Aufgabe von Sachbearbeiter/innen, die dazu ausgebildet sind und die die Zeit dafür haben. Ich sehe dabei den Ausschuss nicht in der Rolle eines Polizisten (wobei es ja per se nichts ehrenrühriges ist, Polizist zu sein). Der Ausschuss hat schlicht zu prüfen, ob bei der Erstellung und Bewertung der Promotion alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Das ist die genuine Aufgabe solcher Ausschüsse, und diese Aufgabe muss an neue technische Entwicklungen angepasst werden.

      • Ludwig Trepl sagt:

        Natürlich ist es nichts ehrenrühriges, Polizist zu sein. Alles in allem sollte man eher vor Polizisten den Hut ziehen als vor heutigen Wissenschaftlern.
        Ich bin nicht der Meinung, daß es die Aufgabe von Promotionsausschüssen ist, mittels der neuen technischen Entwicklungen – das heißt ja wohl: mit allem, was da zur Verfügung steht – zu überprüfen, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Seit langem warte ich vergeblich darauf, daß jemand auf das Argument eingeht, daß das ja auch sonst ziemlich selten geschieht. Man muß bei zahllosen Formularen unterschreiben, daß man alles nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt hat, und das war’s, kontrolliert wird nicht.

        Das ist die eigentliche Gefahr dieser durch die Guttenberg-Affäre angestoßenen Diskussion: daß wieder ein bisher einigermaßen verschonter Bereich von der allgemeinen Kontroll-Manie erfaßt wird.

  9. Anke Domscheit-Berg sagt:

    Danke für den Artikel, werde bestimmt das eine oder andere Argument in der Diskussion bei Anne Will verwenden. Bitte um Nachsicht, wenn ich dabei nicht ausführlich zitiere, wo ich die Anregungen her habe, aber in einer live Talkshow werde ich mich vermutlich nicht adhoc erinnern, wo ich was gelesen habe. Dies also als vorweg Disclaimer. Danke auf jeden Fall, habe neue Erkenntnisse gewonnen!

  10. ediederichs sagt:

    Ich habe nichts dagegen, wenn Sie meine Person nicht erwähnen. Aber ich denke, es ist eine Sache der Fairnis, wenn Sie diese Initiative und diesen blog in dem einen oder anderen Zusammenhang erwähnen würden.

    Mit bestem Dank
    E.D.

    • Anke Domscheit-Berg sagt:

      das habe ich auch vor! Es ist schließlich ein Zeichen dafür, dass sich hier die Wissenschaftscommunity selbst wehrt gegen schwarze Schafe, die ihre Arbeit und ihren Ruf ruinieren. Da kann keiner mehr kommen mit dem Vorwurf, das sind doch alles nur faule, durchgeknallte Studenten mit einer bestimmten politischen Agenda, die auf einzelne Menschen Hetzjagd machen. Es geht um den Wissenschaftsstandort Deutschland und um Anstand und Qualität bei der Arbeit.

      Dieser Blog ist dafür ein deutliches Signal.
      A.D.B.

      • ediederichs sagt:

        Als kleines resümme zur Anne Will Show:

        Wir waren im Maximum 380 Mitleser/Mitschreiber im live-blog. Ihre Kommentare wurden von der community sehr positiv als Stimme der Vernunft aufgenommen, insofern hat sich die Sache gelohnt. Allgemein wurde kritisiert, daß zu viele Themen, die nicht zusammengehören angeschnitten wurden auf Kosten der Diskussionszeit. Auch die Moderationsleistung von Anne Will wurde dieses Mal als eher unterdurchschnittlich beurteilt.

        Verständnis für die Plagiatoren oder die leicht durchschaubaren Versuche aus der Plagiatsdiskussion eine rein politische Kampagne zu machen, hatte niemand.

        Ansonsten bin ich sehr gespannt auf Ihren Gastbeitrag hier auf DE PLAGIO.

        BG
        ED

  11. edomblog sagt:

    Für den Wesensgehalt der Sache sind die spekulativen Zuschreibungen von Ertappten, Beobachtern, die Partei sind, oder Dritten über Motive von MItarbeitern an Vroniplag oder Bloggern unwesentlich.

  12. Erbloggtes sagt:

    Von Fleischhauers Artikel habe ich nur die Einleitung gelesen und dann darauf verzichtet, mich über das Phrasengedresche zu ärgern. Dank Ihnen kenne ich nun auch die übrigen Inhalte, dankenswerter Weise gleich analysiert.

    In der Tat ist Ihre Pointe nicht abwegig, dass sich SpOn mit Fleischhauer eine Art konservativen Hofnarren hält, der jeglichen Konservatismus desavouieren soll, indem er ihn jedes Gehalts entkleidet.

    Was übrig bleibt, ist hohles Ressentiment, das unterhaltsam sein will.


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