Falsche Doktoren und echte Leister

Ein Gastbeitrag von Dierk Haasis

Nach den bekannten Plagiatsfällen der letzten Monate entbrannte auch außerhalb von Blogs und Universitäten eine Diskussion um den Doktortitel. Plagiatoren wehren sich mit fadenscheinigen Begründung und verräterischem Sprachduktus – „Politikersprech“, wie es nicht zu Unrecht gerne genannt wird – gegen die Vorwürfe, andere, vor allem tätige Wissenschaftler, verschärfen den Ton. Inzwischen wird auch untereinander heiß diskutiert, ob und wie der Doktor als Titel erhalten bleiben soll.

Es gibt halt zwei verschiedene Gründe für den Doktor, zum einen die wissenschaftliche Wertschätzung, die durch Vergabe aufgrund einer sauberen, originellen Arbeit gezeigt wird. Auf der anderen Seite ist es der bürgerliche Titel, der anders als Adelstitel für harte Arbeit und Leistung verliehen wird, nicht aufgrund von Geburt bzw. Leistung eines weit entfernten Vorfahren.

Ersteres abzuschaffen, scheint mir übers Ziel hinaus zu schießen; nur weil einige unsauber arbeiten, weil sie unoriginell sind, alle abzustrafen, ist doch albern. Für mich völlig unverständlich wird es, wenn durch die Abschaffung des Doktortitels Missstände im Wissenschaftsbetrieb beseitigt werden sollen. Wie denn? Nepotismus – oder Cronyism – verschwinden nicht, weil man keinen „Doktor“ mehr zu vergeben hat. Die offizielle Abschaffung von Lehrstuhl und Dekanat hat ja auch nichts geändert – ein Professor ist halt doch mehr als bloß eine von drei Gehaltsstufen.

„Doktor“ ist die Kurzfassung für „hat eine wissenschaftliche Ausbildung, einiges geleistet und die eine oder andere gute Idee zur Schaffung von Wissen beigetragen“. Das abschaffen, für was? Jedesmal eine lange Rede halten müssen, wenn jemand fragt, was man denn so mache? Ich kenne das, es langweilt. Es ist ja eben nicht so, dass ein großer Teil der Menschen die Ergüsse des Gegenüber aufgrund inhärenter Verdienste beurteilt (oder beurteilen kann). Nein, die Historie eines Menschen spielt schon eine Rolle, was hat er gelernt, was hat er bisher getan, kennt er sich mit dem Thema wirklich aus?

Das Fehlverhalten einiger weinger – und ich bleibe dabei, dass die meisten sauber arbeiten – gehört abgestraft. Wer innerhalb des Wissenschaftsbetriebs fälscht, mauschelt und plagiiert, wird ausgeschlossen und nicht mehr ernst genommen. Das bekannteste Beispiel ist Hwang Woo-suk, dessen Datenfälschungen zum Klonen, ihn u.a. seine Professur gekostet hat. Die anderen, die Koch-Mehrins, Guttenbergs, Chatzimarkakis etc., können nur öffentlich bloß gestellt werden. Der Entzug des Titels stellt schließlich keine Strafe dar, ebensoweing, wie die Rücknahme eines gestohlenen Autos den Dieb bestraft.

Wissenschaftler müssen jetzt und immer wieder dafür sorgen, dass zwischen falschen Doktoren und echten Leistern diskriminiert wird. Zeigt den Menschen, gerade den autoritätsgläubigen, die den Titel für einen Wert an sich halten, was ein „Doktor“ wirklich ist, was er sein muss, was er macht. Gebt die Fälscher und Plagiierer der Lächerlichkeit preis, zeigt eure eigene Leistung. Der Mann/die Frau von der Straße sind gar nicht so blöd, die erkennen die Unterschiede durchaus, die machen sich schon lange über Dr. h.c. lustig.

Stellen wir den Doktor plagiatus an seine Seite.

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3 Kommentare on “Falsche Doktoren und echte Leister”

  1. […] ja, ich durfte heute einen Gastbeitrag erstellen, in dem ein wenig Geschichte vorkommt [aber nur ganz vorsichtig] und eine praktische […]

  2. […] Gesetzgebungsvorhaben, mit dem Rot-Grün 2013 Wahlkampf machen könnte. Die Stimmen der nicht betrügenden Akademiker dürften sich mit einem so emotional besetzten Thema leicht gewinnen lassen. Die beiden Parteien […]

  3. Gunnar sagt:

    Das kann ich glatt unterschreiben. Ich halte es für etwas seltsam, denjenigen, die sich ehrlich um einen Beitrag zur Wissenschaft bemühen, einen tritt zu geben, eine Tradition aufzugeben und das alles nur, weil ein paar Typen betrügen. OK, denen ging es sicher um die öffentliche Wirkung der Buchstaben „Dr.“ vor ihrem Namen. Aber würde sich etwas ändern, wenn wir der Sache einen anderen Namen gäben? Dann würden sich die Blender einen anderen Titel suchen (der „Prof“ soll sich ja schon jetzt bei einigen Menschen steigender Beliebtheit erfreuen.


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