… und führe mich nicht in Versuchung

Eine Studie in PoMo von Dierk Haasis (mit Gästen)

Was ist eigentlich ein Plagiat, und warum sollte es schlimm sein? Seit 30 Jahren recyclen wir Plastik, Glas, Papier, alles uninteressanter Schund verglichen mit den wichtigen geistigen Ergüssen von Studenten, Kandidaten, Doktoranden und Professoren. Dabei liest die meisten dieser Arbeit ohnehin nie wieder jemand. Da sollte es doch eine gute Idee sein, die besten Ideen und Formulierungen heraus zu picken und damit eigene Leistung zu emulieren.

Erwartet jemand, dass wir „Die Sonne ist rund“ als „Sonne, die rund ist“ schreiben, damit uns keine Suchmaschine findet? Was ist mit gleichen Sinnzusammenhängen, aber abweichenden Begriffen, Sätzen? Wenn wir Einsteins Relativitätstheorie durch andere Begriffe und Formelzeichen ersetzen, ist das ein Plagiat? Die Suchmaschine würde versagen. Aber ja: es wäre ein Plagiat. Den Rest des Beitrags lesen »


Jürgen Schönstein: Bekenntnisse eines „Plagiators“

Jürgen Schönstein schreibt in Geograffitico zum Thema „Bekenntnisse eines Plagiators“:

Und damit meine ich mich. Und nein, dies ist keines dieser vorauseilenden, händeringenden Mea-culpa-Geständnisse, sondern lediglich meine persönliche Reflexion zum Thema „Abschreiben“, in die ein Vierteljahrhundert journalistischer Tätigkeit einfließen – eine lange Zeit, in der auch ich zumindest einmal öffentlich als Plagiator bezeichnet wurde.

Aber ehe ich auf dieses Beispiel (und noch ein paar andere Anekdoten aus meinem Berufsleben) eingehe, will ich doch erst mal eine generelle Kritik loswerden: Ich denke nicht, dass „Plagiat“ der richtige Begriff ist für die Verfehlungen der Guttenbergs, Koch-Mehrins, Pröfrocks, Chatzimarkakis‘ und wie sie sonst noch heißen mögen. Ich lehne mich hier mal weit aus dem Fenster, aber meines Wissens sind Quellennachweise und Zitiervorschriften in der Wissenschaft nicht dazu gedacht, irgend ein „geistiges Eigentum“ eines Autors zu schützen – es geht primär darum, die Herkunft von Daten und Erkenntnissen transparent zu machen, damit man sie gegebenenfalls prüfen oder in ihrer Entstehung nachvollziehen kann.

Den Rest des Beitrags bei GEOGRAFFITICO lesen…


Kaum mehr als ein Satz pro Tag…

Eigentlich wollte ich mich zu den ganzen Plagiats-Affären erst mal nicht mehr äußern, da eigentlich schon alles geschrieben wurde und es mit DE PLAGIO inzwischen ja sogar ein Scilogs-ScienceBlogs-Blogprojekt zur Thematik gibt. Beim gestern entschiedenen Fall von Jorgo Chatzimarkakis geht mir allerdings eine Frage nicht mehr aus dem Kopf…

Wie Chatzimarkakis selbst eingeräumt hat, bestand sein „Versäumnis“ nicht darin, die Quellen gar nicht zu nennen, sondern vielmehr darin, dass in sehr vielen Fällen nicht kenntlich gemacht wurde, dass es sich um ein Zitat handelt, so dass der Leser davon ausgehen musste, dass hier zumindest eine sprachliche Eigenleistung des Autors vorliegt, die sich wiederum inhaltlich auf andere Quellen stützt. Ein solches Vorgehen ist eine klare wissenschaftliche Fehlleistung, die man auch mit dem Verweis auf Oxford- oder andere Zitiertechniken, die einen so leichtfüßigen Umgang mit Quellen vermeintlich gestatten (in Wirklichkeit ist dies natürlich keineswegs der Fall) nicht wieder ausbügeln kann.

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Dr. Polygrafs Auf- und Abtritt

„Hundeherz“ von Michail Bulgakow ist meine Buchempfehlung für den Sommer. Für das Loch in das man unfreiwillig fällt. Aktuell ist daran gewiss nicht das Thema Eugenik, die Verbesserung der menschlichen Art, um die es zunächst dem Protagonisten des Buches, Professor Filipp Filippowitsch Preobashenskij, geht. Obschon es uns einige glauben machen wollen, hat diePräimplantationsdiagnostik in seiner jetzigen Form aber auch gar nichts mit Eugenik zu tun.

Das Buch ist aktuell, weil der eugenische Versuch von Filipp Filippowitsch spektakulär fehlschlägt. Durch die Transplantation einer menschlichen Hypophyse in ein Hundehirn wird aus dem Hund Bello Herr Bellow. Den neuen Namen lässt Bello, Verzeihung, Herr Bellow, sich auch gleich in seine Papiere eintragen. Das „w“ wird zum Namenszusatz, der nun in voller Länge Polygraf Polygrafowitsch Bellow lautet. Namen schmücken, sind diesmal sogar Programm. Der Ploygraph: ein Verweis auf eine Vielzahl von Stilrichtungen und die Vervielfältigung von Schriften. Aber auch auf den Lügendetektor.

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Brief einer Mutter an Frau Koch-Mehrin

Ute Gerhardt hat einen Brief an Frau Koch-Mehrin geschrieben, in dem sie eine einfache Frage stellt.

Es würde uns aber ausgesprochen wundern, wenn sie eine einfache Antwort erhielte.

Oder überhaupt eine Antwort.


General Verdacht und die Kleingeistigen

Es ist so einfach, auf der FDP rumzuhacken. Die sind klein, tragen Mama Merkel das Täschchen hinterher, haben schon in der Wiege langweilige, dunkelblaue Anzüge getragen. Silvana Koch-Mehrin natürlich nicht, die trug einen blauen Rock zu heller Bluse mit um den Hals geschlungenen Designer-Pullover. Zumindest sahen die Pendants der gegenwärtigen Funktionärsriege der FDP damals bei uns in der Schule so aus.

Es ist eigentlich nicht in Ordnung, schwächere zu piesacken, sie zu verprügeln. Aber FDP-Politiker schreien im Moment danach. Es geht mir dabei nicht um deren krude Gesellschaftssicht, den religiösen Wahn, alles wäre besser, wenn es nur vom “Staat” fern gehalten würde oder der miserablen Außenpolitik. Was aber ist von einer angeblich liberalen Partei zu halten, deren prominente Mitglieder die Basis freiheitlichen Handelns en passant aufkündigen?

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Blenderrepublik Deutschland?

Ein Gastbeitrag von Anke Domscheit-Berg (opengov.me)

Die Blender-Republik – wie weit kommt frech? –  unter diesem Titel habe ich am 3. Juli 2011 an der Gesprächsrunde von Anne Will teilgenommen. Neben einem ehemaligen Hochstapler (Harksen), einem Politikberater (Spreng) und einem Adligen, der seinen Grafentitel aus Bescheidenheit und Praktikabilität nicht nutzt (Quadt) saß als vierter Herr im Bunde Jorgo Chatzimarkakis, der uns im Europäischen Parlament als Volksvertreter repräsentiert, Mitglied der FDP ist und wie es aussieht, auf 70% der Seiten seiner Doktorarbeit plagiiert hat.

Meine Rolle wurde durch die Einblendung unter meinem Namen klargestellt: „überzeugte Internetanhängerin“. Ja, das bin ich, auch wenn ich das eine eher merkwürdige Art finde, mich vorzustellen. Das Internet ist für mich ein großartiges Werkzeug, das Brücken bauen und Netze knüpfen kann, die größten Distanzen auf der Welt in Millisekunden überwindet, uns allen das geballte Wissen der Welt erreichbar machen könnte. Aber noch heute verstecken sich Mitglieder der wirtschaftlichen und politischen Elite eines jeden Landes hinter virtuellen Mauern, die sie schützen vor dem genauen Blick der Bürger. Mit dem Internet kann man diese Mauern einreißen, mit größeren Wirkungen als das Verschwinden des Eisernen Vorhangs. Es verändert unsere Gesellschaft wie seinerzeit vielleicht die Erfindung des Buchdrucks – überall auf der Welt.

Die Potenziale sind großartig, unsere Welt kann ehrlicher und gerechter werden, wenn der Zugang zu Informationen freier und gleicher verteilt ist, wenn Scheinwerfer die schwarzen Schafe ins Licht rücken, wenn Blender und Betrüger als das entlarvt werden können, was sie sind: Menschen, die ihre Moral danach ausrichten, wie sie am besten ihre eigenen Interessen schützt. Dafür gibt es viele Beispiele, einige davon haben mit der Erschleichung von Doktortiteln zu tun. Ja, in gewisser Weise ist Deutschland eine Blenderrepublik, zumindest in einigen Kreisen, da kommt man mit Doktor weiter als ohne und man verdient auch noch €10.000 durchschnittlich mehr im Jahr. Wer keine Zeit für eine Doktorarbeit hat oder kein Talent, oder wem es an beidem mangelt, der bedient sich am freien Markt und kauft sich einen Titel oder aber er schreibt ab und reicht ein Copy-Paste-Meisterwerk als Doktorarbeit ein – oft der Anfang für eine Karriere mit ausgerolltem roten Teppich. Den Rest des Beitrags lesen »