Universität Potsdam entlastet Althusmann

Anfang September habe ich mir die Dokumentation angesehen, auf deren Grundlage die ZEIT den niedersächsischen Bildungsminister und Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, Bernd Althusmann, des Plagiats beschuldigt hat. Mein Urteil damals lautete: „Nicht schuldig“.

Die Dissertation von Althusmann (bzw. die untersuchte Stichprobe im Umfang von zwei Kapiteln) ließ zwar nur sehr begrenzte gedankliche Eigenleistungen erkennen und sie enthielt eine Vielzahl von Stellen, bei denen der Autor sich inhaltlich kaum von der zitierten Literatur löst. Aber, so schrieb ich damals, Den Rest des Beitrags lesen »


Chatzimarkakis Dissertation aus fachlicher Sicht

Das Chatzimarkakis über weite Strecken abgeschrieben hat wissen wir inzwischen. Deshalb wurde ihm auch sein Doktortitel aberkannt. Aber wie steht es eigentlich um die fachliche Beurteilung und hätte man es merken müssen, dass bei der Hälfte der Arbeit abgeschrieben wurde?  Da er seine Arbeit in Internationalen Beziehungen schrieb und noch dazu die Welthabdelsorganisation darin eine prominente Rolle einnimmt, habe ich sie mir bei mir im Blog einmal genauer angeschaut. Schliesslich ist das meine Spezialisierung. Das Resultat war ernüchternd. Hier geht es weiter zum Artikel.


VroniPlag und der Jäger der Toren

Gestern hat der Gründer der kollaborativen Plagiatdokumentation VroniPlag, bislang unter seinem Pseudonym Goalgetter bekannt, in einem Interview mit Spiegel Online seine bürgerliche Identität preisgegeben, nachdem in verschiedenen Internetforen sein Klarname genannt und er daraufhin von einem BILD-Reporter kontaktiert worden war.

Das war eine schlechte Idee, und zwar aus zwei Gründen: erstens, weil er seinen Gegnern — die im wesentlichen, aber nicht ausschließlich, aus den von VroniPlag enttarnten Betrüger/innen bestehen — damit eine Angriffsfläche bietet, zweitens, weil es nun schwerer wird, einer auf Personen und Persönlichkeiten fixierten Gesellschaft zu erklären, woher VroniPlag und das Vorläuferprojekt GuttenPlag ihre Autorität beziehen. Den Rest des Beitrags lesen »


Kaum mehr als ein Satz pro Tag…

Eigentlich wollte ich mich zu den ganzen Plagiats-Affären erst mal nicht mehr äußern, da eigentlich schon alles geschrieben wurde und es mit DE PLAGIO inzwischen ja sogar ein Scilogs-ScienceBlogs-Blogprojekt zur Thematik gibt. Beim gestern entschiedenen Fall von Jorgo Chatzimarkakis geht mir allerdings eine Frage nicht mehr aus dem Kopf…

Wie Chatzimarkakis selbst eingeräumt hat, bestand sein „Versäumnis“ nicht darin, die Quellen gar nicht zu nennen, sondern vielmehr darin, dass in sehr vielen Fällen nicht kenntlich gemacht wurde, dass es sich um ein Zitat handelt, so dass der Leser davon ausgehen musste, dass hier zumindest eine sprachliche Eigenleistung des Autors vorliegt, die sich wiederum inhaltlich auf andere Quellen stützt. Ein solches Vorgehen ist eine klare wissenschaftliche Fehlleistung, die man auch mit dem Verweis auf Oxford- oder andere Zitiertechniken, die einen so leichtfüßigen Umgang mit Quellen vermeintlich gestatten (in Wirklichkeit ist dies natürlich keineswegs der Fall) nicht wieder ausbügeln kann.

Bei FRISCHER WIND weiterlesen…


Wo ist die Stelle aus der Quelle? Chatzimarkakis Doktortitel ist weg!

Ein guter Tag für die Wissenschaft. Er hat es nicht glauben wollen, aber nun ist der Doktortitel von Jorgo Chatzimarkakis weg. Die Universität Bonn hat nun auch offiziell festgestellt, was man schon seit langem auf VroniPlag selbst nachprüfen konnte: Chatzimarkakis hat Texte fremder Autoren plagiiert. Aber so wie die bisher des Plagiats überführten Politiker scheint auch Chatzimarkakis nicht wirklich der Meinung zu sein, er hätte etwas falsch gemacht.

Bei ASTRODICTICUM SIMPLEX weiterlesen…


Ein guter Tag für die Wissenschaft

Die Universität Bonn hat also entschieden: Chatzimarkakis’ Doktorgrad ist weg. Und außer dem Enttitelten selbst dürfte das auch niemanden ernsthaft überraschen.

Er hat sich viel Mühe gegeben, öffentliche Verwirrung um seinen Fall zu stiften. Das Herumwerfen mit den Namen vermeintlicher Eliteuniversitäten, seine gebetsmühlenartig wiederholte (aber deswegen trotzdem falsche) Behauptung, in seiner Dissertation gebe es „keine Stelle ohne Quelle“, seine mit bildungsbürgerlichem Angebervokabular („Tyrannis“) gespickten Vorwürfe gegen die Plagiatsdokumentare von VroniPlag, die dunklen Andeutungen in Anne Wills Talkshow, dass diese Plagiatsdokumentation „öffentlichen Druck“ auf die Universitäten erzeuge, dem diese sich dann nicht entziehen könnten, seine Koch-Mehrinschen Angriffe auf den eigenen Doktorvater, der doch seine Arbeit hätte besser machen müssen, und natürlich seine mehrfach geäußerte Hoffnung, die Universität Bonn könnte ihm tatsächlich den Doktorgrad lassen — man wusste nicht, ob das alles kalkulierte Rückzugsgefechte waren, um irgendwie mit dem Titel nicht auch das Gesicht zu verlieren, oder ob Chatzimarkakis’ Unverständnis von Integrität, Anstand und Wissenschaft tatsächlich so tiefgehend ist, dass er selbst an all das glaubt, was er da von sich gibt. Den Rest des Beitrags lesen »


General Verdacht und die Kleingeistigen

Es ist so einfach, auf der FDP rumzuhacken. Die sind klein, tragen Mama Merkel das Täschchen hinterher, haben schon in der Wiege langweilige, dunkelblaue Anzüge getragen. Silvana Koch-Mehrin natürlich nicht, die trug einen blauen Rock zu heller Bluse mit um den Hals geschlungenen Designer-Pullover. Zumindest sahen die Pendants der gegenwärtigen Funktionärsriege der FDP damals bei uns in der Schule so aus.

Es ist eigentlich nicht in Ordnung, schwächere zu piesacken, sie zu verprügeln. Aber FDP-Politiker schreien im Moment danach. Es geht mir dabei nicht um deren krude Gesellschaftssicht, den religiösen Wahn, alles wäre besser, wenn es nur vom “Staat” fern gehalten würde oder der miserablen Außenpolitik. Was aber ist von einer angeblich liberalen Partei zu halten, deren prominente Mitglieder die Basis freiheitlichen Handelns en passant aufkündigen?

Bei ES BLEIBT SCHWIERIG weiterlesen…


Lauter Unschuldige

In Jim Jarmuschs „Down by Law“ gibt es eine Szene, an die ich in den lezten Tagen wiederholt denken muss. Bob (Roberto Benigni) wird in eine Zelle mit Jack (John Lurie) und Zack (Tom Waits) gesperrt und es entspinnt sich folgender Dialog:

Bob: Warum bist du in diesem Gefängnis?
Jack: Keine Ahnung. Voodoo oder so was. Man hat mich reingelegt. Ich bin vollkommen unschuldig, verstehst du?
Bob: Ja, du bist ein Unschuldiger, ich verstehe. Und du, mein Freund Zack, warum bist du hier?
Zack: Eine abgekartete Sache. Wie bei Jack. Ich bin ein Unschuldiger.
Bob: Ich verstehe. Du bist auch ein Unschuldiger.
Zack: Und du, Bob? Warum bist du in diesem Gefängnis?
Bob: Ich? Ich habe einen Mann getötet.

Die dieser Tage enttarnten Plagiator/innen haben alle eins gemeinsam: Sie sind alle Zack und Jack. Sie sind unschuldig. Sie haben keine Ahnung, was man ihnen vorwirft. Sie sind reingelegt worden. Den Rest des Beitrags lesen »


Kriechende Vernetzung als politische Metapher – reply to Anke Domscheit-Berg

Lange war SciLogs.de ein wenig isoliert in der blogosphäre und daher nicht nur wenig sichtbar, sondern auch wenig wirksam. Inzwischen hat sich aber einiges getan in der bloggerszene: Nicht nur das SciLogs.de und scienceblogs.de über die gemeinsame Initiative DE PLAGIO zusammen- gewachsen sind – eine Kooperation, die man nur als „vorzüglich“ bezeichnen kann – es bahnen sich inzwischen auch Kontakte zu anderen netz-basierten Bewegungen wie z.B. Open Government an, was uns daran erinnert, daß die bloggerszene als Aktuatoren im öffentlichen Raum eines nicht vermeiden können – politisch zu sein.

Bei MIND AT WORK weiterlesen…


Blenderrepublik Deutschland?

Ein Gastbeitrag von Anke Domscheit-Berg (opengov.me)

Die Blender-Republik – wie weit kommt frech? –  unter diesem Titel habe ich am 3. Juli 2011 an der Gesprächsrunde von Anne Will teilgenommen. Neben einem ehemaligen Hochstapler (Harksen), einem Politikberater (Spreng) und einem Adligen, der seinen Grafentitel aus Bescheidenheit und Praktikabilität nicht nutzt (Quadt) saß als vierter Herr im Bunde Jorgo Chatzimarkakis, der uns im Europäischen Parlament als Volksvertreter repräsentiert, Mitglied der FDP ist und wie es aussieht, auf 70% der Seiten seiner Doktorarbeit plagiiert hat.

Meine Rolle wurde durch die Einblendung unter meinem Namen klargestellt: „überzeugte Internetanhängerin“. Ja, das bin ich, auch wenn ich das eine eher merkwürdige Art finde, mich vorzustellen. Das Internet ist für mich ein großartiges Werkzeug, das Brücken bauen und Netze knüpfen kann, die größten Distanzen auf der Welt in Millisekunden überwindet, uns allen das geballte Wissen der Welt erreichbar machen könnte. Aber noch heute verstecken sich Mitglieder der wirtschaftlichen und politischen Elite eines jeden Landes hinter virtuellen Mauern, die sie schützen vor dem genauen Blick der Bürger. Mit dem Internet kann man diese Mauern einreißen, mit größeren Wirkungen als das Verschwinden des Eisernen Vorhangs. Es verändert unsere Gesellschaft wie seinerzeit vielleicht die Erfindung des Buchdrucks – überall auf der Welt.

Die Potenziale sind großartig, unsere Welt kann ehrlicher und gerechter werden, wenn der Zugang zu Informationen freier und gleicher verteilt ist, wenn Scheinwerfer die schwarzen Schafe ins Licht rücken, wenn Blender und Betrüger als das entlarvt werden können, was sie sind: Menschen, die ihre Moral danach ausrichten, wie sie am besten ihre eigenen Interessen schützt. Dafür gibt es viele Beispiele, einige davon haben mit der Erschleichung von Doktortiteln zu tun. Ja, in gewisser Weise ist Deutschland eine Blenderrepublik, zumindest in einigen Kreisen, da kommt man mit Doktor weiter als ohne und man verdient auch noch €10.000 durchschnittlich mehr im Jahr. Wer keine Zeit für eine Doktorarbeit hat oder kein Talent, oder wem es an beidem mangelt, der bedient sich am freien Markt und kauft sich einen Titel oder aber er schreibt ab und reicht ein Copy-Paste-Meisterwerk als Doktorarbeit ein – oft der Anfang für eine Karriere mit ausgerolltem roten Teppich. Den Rest des Beitrags lesen »


Warum es nicht still werden darf um Silvana Koch-Mehrin

Als Silvana Koch-Mehrin am Abend des 25. Juni 2011 ihren Rückzug aus dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie bekannt gab (bzw. bekanntgeben ließ, dazu später mehr), bekam ich per Twitter und per E-Mail eine Reihe von Glückwünsche.  Grund dafür war eine gemeinsam mit anderen Wissenschaftsbloggern nur zwei Tage zuvor initiierte Petition, in der wir den Rücktritt Koch-Mehrins aus dem Komitee und aus dem Europäischen Parlament fordern und die bis zu diesem Zeitpunkt schon 7500 Mitzeichnungen hatte.

Diese Glückwünsche waren in zweifacher Hinsicht unangebracht. Erstens, weil ich nicht glaube, dass diese Petition Anteil an Koch-Mehrins Rückzug hatte. Die entscheidende Rolle dürfte eher die Tatsache gespielt haben, dass ihre eigenen Parteifreunde begannen, Abstand von ihr zu nehmen und dass eine solide Allianz aus allen großen deutschen Forschungsorganisationen früher am Tag eine Pressemeldung veröffentlicht hatte, in der dieser Rückzug gefordert wurde. Zweitens, und viel wichtiger, weil mit Koch-Mehrins Rückzug aus dem Forschungsausschuss das eigentliche Ziel der Petition noch gar nicht erreicht war – die Niederlegung ihres Mandats. Die Allianz der Forschungsorganisationen hat eine solche Niederlegung leider nicht gefordert, aber die Deutsche Forschungsgemeinschaft hatte in einer Pressemeldung einen Tag früher schon angemerkt, auch Koch-Mehrins „weitere Mitgliedschaft im Europäischen Parlament“ nach Aberkennung ihres Doktorgrades „nicht akzeptabel“ sei.

Der Rückzug aus dem Ausschuss ist aus meiner Sicht (das habe ich hier ausführlicher dargelegt) auch kein großer Erfolg, denn er ist nichts weiter, als ein Minimum an selbstverständlichem Verhalten. Dass eine überführte Plagiatorin keinesfalls in diesen Ausschuss gehört, darüber herrschte in der öffentlichen Diskussion eine uneingeschränkte Einigkeit über das gesamte politische Spektrum hinweg. Den Rest des Beitrags lesen »


Chatzimarkakis und die „Harvard-Zitierweise“

[Jetzt auch mit Nachtrag zur „Oxford-Zitierweise“]

Im Ehrloskodex pseudopromovierter Politiker/innen scheint es ein zentrales Gebot zu geben: Wenn du erwischt wirst, gib deinen Fehltritt keinesfalls zu. Sprich stattdessen von „vergessenen Fußnoten“ (Guttenberg) oder schwadroniere selbstkritisch darüber, dass deine Dissertation „kein Meisterstück“ sei und dass die Universität das doch eigentlich hätte merken müssen (Koch-Mehrin).

Oder mach es wie Georgios Chatzimarkakis und bestehe darauf, alles richtig gemacht zu haben. Deute an, dass du eine Zitiermethode verwendet hast, die „Anlass zu Missverständnissen“ gebe. Behaupte einfach, dies sei die „Harvard-Zitierweise“, das klingt seriös und nach akademischer Elite und man wird dir sicher glauben. Den Rest des Beitrags lesen »