Universität Potsdam entlastet Althusmann

Anfang September habe ich mir die Dokumentation angesehen, auf deren Grundlage die ZEIT den niedersächsischen Bildungsminister und Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, Bernd Althusmann, des Plagiats beschuldigt hat. Mein Urteil damals lautete: „Nicht schuldig“.

Die Dissertation von Althusmann (bzw. die untersuchte Stichprobe im Umfang von zwei Kapiteln) ließ zwar nur sehr begrenzte gedankliche Eigenleistungen erkennen und sie enthielt eine Vielzahl von Stellen, bei denen der Autor sich inhaltlich kaum von der zitierten Literatur löst. Aber, so schrieb ich damals, Den Rest des Beitrags lesen »


Brief einer Mutter an Frau Koch-Mehrin

Ute Gerhardt hat einen Brief an Frau Koch-Mehrin geschrieben, in dem sie eine einfache Frage stellt.

Es würde uns aber ausgesprochen wundern, wenn sie eine einfache Antwort erhielte.

Oder überhaupt eine Antwort.


General Verdacht und die Kleingeistigen

Es ist so einfach, auf der FDP rumzuhacken. Die sind klein, tragen Mama Merkel das Täschchen hinterher, haben schon in der Wiege langweilige, dunkelblaue Anzüge getragen. Silvana Koch-Mehrin natürlich nicht, die trug einen blauen Rock zu heller Bluse mit um den Hals geschlungenen Designer-Pullover. Zumindest sahen die Pendants der gegenwärtigen Funktionärsriege der FDP damals bei uns in der Schule so aus.

Es ist eigentlich nicht in Ordnung, schwächere zu piesacken, sie zu verprügeln. Aber FDP-Politiker schreien im Moment danach. Es geht mir dabei nicht um deren krude Gesellschaftssicht, den religiösen Wahn, alles wäre besser, wenn es nur vom “Staat” fern gehalten würde oder der miserablen Außenpolitik. Was aber ist von einer angeblich liberalen Partei zu halten, deren prominente Mitglieder die Basis freiheitlichen Handelns en passant aufkündigen?

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Lauter Unschuldige

In Jim Jarmuschs „Down by Law“ gibt es eine Szene, an die ich in den lezten Tagen wiederholt denken muss. Bob (Roberto Benigni) wird in eine Zelle mit Jack (John Lurie) und Zack (Tom Waits) gesperrt und es entspinnt sich folgender Dialog:

Bob: Warum bist du in diesem Gefängnis?
Jack: Keine Ahnung. Voodoo oder so was. Man hat mich reingelegt. Ich bin vollkommen unschuldig, verstehst du?
Bob: Ja, du bist ein Unschuldiger, ich verstehe. Und du, mein Freund Zack, warum bist du hier?
Zack: Eine abgekartete Sache. Wie bei Jack. Ich bin ein Unschuldiger.
Bob: Ich verstehe. Du bist auch ein Unschuldiger.
Zack: Und du, Bob? Warum bist du in diesem Gefängnis?
Bob: Ich? Ich habe einen Mann getötet.

Die dieser Tage enttarnten Plagiator/innen haben alle eins gemeinsam: Sie sind alle Zack und Jack. Sie sind unschuldig. Sie haben keine Ahnung, was man ihnen vorwirft. Sie sind reingelegt worden. Den Rest des Beitrags lesen »


Warum es nicht still werden darf um Silvana Koch-Mehrin

Als Silvana Koch-Mehrin am Abend des 25. Juni 2011 ihren Rückzug aus dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie bekannt gab (bzw. bekanntgeben ließ, dazu später mehr), bekam ich per Twitter und per E-Mail eine Reihe von Glückwünsche.  Grund dafür war eine gemeinsam mit anderen Wissenschaftsbloggern nur zwei Tage zuvor initiierte Petition, in der wir den Rücktritt Koch-Mehrins aus dem Komitee und aus dem Europäischen Parlament fordern und die bis zu diesem Zeitpunkt schon 7500 Mitzeichnungen hatte.

Diese Glückwünsche waren in zweifacher Hinsicht unangebracht. Erstens, weil ich nicht glaube, dass diese Petition Anteil an Koch-Mehrins Rückzug hatte. Die entscheidende Rolle dürfte eher die Tatsache gespielt haben, dass ihre eigenen Parteifreunde begannen, Abstand von ihr zu nehmen und dass eine solide Allianz aus allen großen deutschen Forschungsorganisationen früher am Tag eine Pressemeldung veröffentlicht hatte, in der dieser Rückzug gefordert wurde. Zweitens, und viel wichtiger, weil mit Koch-Mehrins Rückzug aus dem Forschungsausschuss das eigentliche Ziel der Petition noch gar nicht erreicht war – die Niederlegung ihres Mandats. Die Allianz der Forschungsorganisationen hat eine solche Niederlegung leider nicht gefordert, aber die Deutsche Forschungsgemeinschaft hatte in einer Pressemeldung einen Tag früher schon angemerkt, auch Koch-Mehrins „weitere Mitgliedschaft im Europäischen Parlament“ nach Aberkennung ihres Doktorgrades „nicht akzeptabel“ sei.

Der Rückzug aus dem Ausschuss ist aus meiner Sicht (das habe ich hier ausführlicher dargelegt) auch kein großer Erfolg, denn er ist nichts weiter, als ein Minimum an selbstverständlichem Verhalten. Dass eine überführte Plagiatorin keinesfalls in diesen Ausschuss gehört, darüber herrschte in der öffentlichen Diskussion eine uneingeschränkte Einigkeit über das gesamte politische Spektrum hinweg. Den Rest des Beitrags lesen »


Gerechtigkeit für Plagiatoren?

Jan Fleischhauer fordert in seinem Artikel auf SPIEGEL-ONLINE Gerechtigkeit für Silvana Koch-Mehrin (SKM).

  • Erinnern wir uns: Die FDP-Politikerin Esther Silvana Koch-Mehrin ist seit der Europawahl 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments und seit 2009 einer von 14 Vizepräsidenten des EU-Parlaments. Wegen nachgewiesener Plagiate in ihrer Dissertation wurde ihr am 15. Juni 2011 der Doktorgrad von der Uni Heidelberg wieder aberkannt. Ihre am 22.6. angetretene zum Vollmitgliedschaft im EU Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europaparlaments, gab sie nach Petitionen und Aufrufen von Verbänden und der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen aufgrund des öffentlichen Drucks am 25.6. wieder auf, kündigte aber an, für einen anderen EU-Ausschuß zu kandidieren. An ihrem Sitz im EU-Parlament hält sie bis heute fest.

Die Erklärung, die SKM selbst zu den Plagiatsvorwürfen abgegeben hat, läuft darauf hinaus, daß Den Rest des Beitrags lesen »


Kein Etappensieg für den Anstand

Silvana Koch-Mehrins halbherziger Rückzug aus dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie ist weder Zeichen dafür, dass sie ihren Anstand oder ihren Respekt vor Wissenschaft und Gesellschaft wiedergefunden hat, noch ist es ein Triumph für diejenigen, die diesen Anstand und Respekt eingefordert haben.

Denn dass eine überführte wissenschaftliche Betrügerin nicht in einem Gremium sitzen darf, das über europäische Forschung und deren (viele Milliarden Euro schwere) Finanzierung mitentscheidet, sollte die selbstverständlichste Angelegenheit der Welt sein. Es sollte keines öffentlichen Aufschreis, keiner Petitionen, keiner ätzend sezierenden Artikel und Kolumnen, keines Spotts und keiner Rücktrittsforderungen von Politikern und keiner Verurteilung des Vorgangs durch die Schwergewichte der deutschen Forschungslandschaft bedürfen, um das klarzustellen.

Nun, wo Koch-Mehrin das zwar vermutlich nicht eingesehen, aber doch wenigstens danach gehandelt hat, müssen wir uns deshalb der eigentlichen Frage zuwenden: Wie wollen wir mit wissenschaftlichen Betrüger/innen in verantwortungsvollen Positionen umgehen?

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