VroniPlag und der Jäger der Toren

Gestern hat der Gründer der kollaborativen Plagiatdokumentation VroniPlag, bislang unter seinem Pseudonym Goalgetter bekannt, in einem Interview mit Spiegel Online seine bürgerliche Identität preisgegeben, nachdem in verschiedenen Internetforen sein Klarname genannt und er daraufhin von einem BILD-Reporter kontaktiert worden war.

Das war eine schlechte Idee, und zwar aus zwei Gründen: erstens, weil er seinen Gegnern — die im wesentlichen, aber nicht ausschließlich, aus den von VroniPlag enttarnten Betrüger/innen bestehen — damit eine Angriffsfläche bietet, zweitens, weil es nun schwerer wird, einer auf Personen und Persönlichkeiten fixierten Gesellschaft zu erklären, woher VroniPlag und das Vorläuferprojekt GuttenPlag ihre Autorität beziehen. Den Rest des Beitrags lesen »

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… und führe mich nicht in Versuchung

Eine Studie in PoMo von Dierk Haasis (mit Gästen)

Was ist eigentlich ein Plagiat, und warum sollte es schlimm sein? Seit 30 Jahren recyclen wir Plastik, Glas, Papier, alles uninteressanter Schund verglichen mit den wichtigen geistigen Ergüssen von Studenten, Kandidaten, Doktoranden und Professoren. Dabei liest die meisten dieser Arbeit ohnehin nie wieder jemand. Da sollte es doch eine gute Idee sein, die besten Ideen und Formulierungen heraus zu picken und damit eigene Leistung zu emulieren.

Erwartet jemand, dass wir „Die Sonne ist rund“ als „Sonne, die rund ist“ schreiben, damit uns keine Suchmaschine findet? Was ist mit gleichen Sinnzusammenhängen, aber abweichenden Begriffen, Sätzen? Wenn wir Einsteins Relativitätstheorie durch andere Begriffe und Formelzeichen ersetzen, ist das ein Plagiat? Die Suchmaschine würde versagen. Aber ja: es wäre ein Plagiat. Den Rest des Beitrags lesen »


Dünne Bretter und dicke Bücher

In den Diskussionen um plagiierte und teilplagiierte Doktorarbeiten sowie den Wert eines Doktortitels an sich wurde und wird immer wieder das Argument bemüht, dass die Anforderungen an Dissertationen sehr unterschiedlich sein können. Besonders medizinische Doktorarbeiten werden dabei als minderwertige „Dünnbrettbohrarbeiten“ abgetan. Die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen sind unterschiedlich. Zum einen wird auf die gesellschaftliche Ungleichheit hingewiesen, die die Existenz von öffentlich getragenen Titeln erzeugt, andererseits die wissenschaftliche Entwertung des Doktorgrades beklagt. Ein Beispiel für ersteres findet sich in einem Posting aus dem Blog Bruchpfau:

Ein Arzt ohne Doktortitel ist seitens der Gesellschaft oft nur ein halber Arzt. Dies führt dazu, dass die meisten Medizinstudenten sich gezwungen fühlen zu promovieren. Das wiederum hat an den meisten Unis zur Folge, dass Mediziner oftmals nur die Hälfte an Text einzureichen brauchen als beispielsweise Geisteswissenschaftler. Die Universität Magdeburg zum Beispiel gibt für Mediziner ein Maximum von 60 Seiten vor. Ein Geisteswissenschaftler würde dies lediglich als Seminararbeit werten. […] Das Guttenberg-Syndrom scheint sich zu einem festen Bestandteil in unserer Welt zu manifestieren, wohl aber auch die Tatsache, dass offenbar kaum jemand sich die Mühe macht, darüber nachzudenken, warum es überhaupt da ist und wie es entstehen konnte. [Julia Jung: Das Guttenberg-Syndrom – Eine Folge unseres Leistungsbegriffs?!, 27.6.2011]

Diese Argumentation soll wohl das Gewicht eines Betruges in diesem Bereich relativieren oder, etwas raffinierter, die Motivation zum Erwerb eines Doktorgrades gesellschafts- und wissenschaftskritisch beleuchten: Der Druck der Gesellschaft auf bestimmte Berufsgruppen, mit einem Doktortitel aufzuwarten führe zu der Verlockung, sich einen solchen zu erschleichen. Den Rest des Beitrags lesen »


Stilfrage Plagiat?

Heute morgen in der Hamburger Mensa im Philturm gesehen:

Werbetext: Doktorarbeit abgeschrieben? Genauso clever wie gelbe Flecken auf Weiß.

Niveawerbung, Sommer 2011

Soll man sich freuen, dass das Plagiieren bereits als Beispiel für falsches Verhalten in die Popkultur eingegangen ist? Oder soll man sich ärgern, weil es auf eine Ebene mit einer trivialen Privatsache wie Deoflecken gestellt wird?